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Liebe, Freiheit und Schöpfung
Überall wo man hinkommt werden Schwierigkeiten besprochen,
während Liebeslieder aus Lautsprechern ertönen. Da kann etwas
nicht stimmen. Kann es sein, dass die Liebe auch schon soweit
in Bedingung gezwängt ist, dass sie funktionalisiert wird
um der Gewinnung von Profit anheim zu fallen? Wohlgemerkt,
ich schreibe hier nicht über Sex, sondern die Liebe an sich
ist es. Hat der Mensch sie, die Mitte der Welt, auch zu Markte
getragen? Das bedeutete, die schlimmsten Befürchtungen Montaignes
seien weit übertroffen. Sie ist damit Ware geworden. Ebenso
käuflich wie austauschbar. Ist nicht sie eigentlich die Form,
deren Bedingungslosigkeit am reinsten ist? Es ist eine Tragödie
ohne gleichen. Sie ist zum Zeitvertreib mutiert, soll dem
Menschen Farbe in den öden Alltag bringen.
Vom Bürostuhl in den siebten Himmel, per Express, mit Platzreservierung,
ohne Halt bis morgen Früh, bitte! Alles endet zu sein was
es ist, dort, wo es dem Kalkül geopfert wird. Es verliert
seine Eigenständigkeit. Damit ist es unwiderruflich unfrei.
Und als solches endlich geworden. Was also verloren ist, ist,
was einst unter dem Begriff Freiheit bekannt war, was bedeutet,
diese ist selbst Ware geworden, die eingekauft werden muss.
Wenn dem so ist, ist aber Jedes, das Freiheit als Eigenschaft
mit sich trägt ebenso geknechtet. Frei nach dem objektorientierten
Denken. Weil sie dann im Vererbungs-Bezugssystem die Eigenschaft
des dem Kalkül Unterworfenseins mit sich führt. Das bedeutet
wiederum, alle Analogen Entitäten, denen die Freiheit beigeordnet
ist, als Methode, sind ebenso unfrei wie sie selbst. Nämlich
in Bedingung gebunden, welcher Art auch immer. Freiheit jedoch,
die unfrei ist, ist keine. Was bedeutet: sie ist abwesend.
An ihrer Stelle erscheint eben eine Bedingung, oder eine Relation.
Alles, dem sie beigeordnet ist wird so unvollständig und versehrt
erscheinen.
Wenden wir diese Erkenntnis auf die Liebe an, erscheint
diese in unseren Tagen als zerstörerisches, gefährliches Element
der Welt und muss ängstlich gemieden werden. Was bleibt ist
die Sehnsucht nach ihr, da die Möglichkeit ihrer Existenz
besteht. Nun ist Liebe dem Triebe zur erotischen Betätigung
beigeordnet. Also muss der Mensch, dem die Liebe der Götter
nur unter der Bedingung seiner Unschuld zuteil wird, die Erotik
verdammen. In dieser Konstruktion ist nämlich die Liebe bereits
unfrei, an ihrer Wurzel beschnitten. Deswegen also diese Beschneidungsrituale!
Als Erscheinung der an ihrer "Wurzel", dem Geschlechtsorgane,
beschnittenen, unvollständigen, unfreien Form (und als Hygiene
getarnt).
Andernorts haben wir gesehen, dass Freiheit ein Grundsatz
der Schöpfung ist. Nämlich als Motiv der Variation. Genauso
die Liebe. Motiv der Zugewandtheit zum Anderen, Fremden. So
halten diese beiden die Schöpfung am bestehen, indem die Freiheit
neues Anderes schafft, während die Liebe dieses zusammenkettet
mit dem Einen ohne es zu hindern zu sein was es ist. Hierdurch
finden Verschiedene zueinander und bilden neues. Das, meine
Damen und Herren ist der Ursprung der Geschlechtlichkeit!
Mann und Weib. In der ganzen Natur.
Liebe und Freiheit sind also die Grundlagen aller Welt. Gemeinsam
sind sie Ursprung allen Seins, in der "Freien Liebe". Da diese
nur frei sein kann, sind sie eins. Seht ihr hier das erste
Wesen, die einzelne Zelle, wie sie sich teilt? Die Urmutter?Die
sich so lange teilt, bis das Andere, dass sie schuf und in
Freiheit entließ, so fremd ward, dass sie, um vollständig
zu sein sich mit ihm zu vereinigen sucht, um neues vollständiges
Anderes schaffen zu können? Es in seine Eigenart zu entlassen
um es dort so zu lieben, dass sie sich berühren? Auf diese
Weise wieder neues schaffend und so fort in alle Ewigkeit?
Dieser Vorgang findet übrigens eine sehr schöne Entsprechung
eine Ebene weiter unten, in der Entstehung der Voraussetzungen
für das Leben. Bei der Entstehung von Wasser aus Wasserstoff
und Sauerstoffatomen wird, wenn sie sich verbinden, Energie
frei! Die Anwendung dieses Umstandes zur Energiegewinnung
für die Maschinenwelt ist der Versuch, die Schöpfung an
sich zu nötigen, jener ihre Existenz zu sichern. Wenn
das Mann gut geht! Dieser Prozess wird unterbrochen, wenn
das Element Freiheit abwesend ist, da so kein Anderes möglich
wird und alles verharrt im Zustande der Unbeweglichkeit. Hat
nun eine Spezies damit begonnen ihre Freiheit zu beschränken,
also aufzuheben, wird sie, um weiterzuexistieren, gezwungen
sein, alles, was frei ist zu knechten. Um so über den Verbrauch
von Freiheit die Erscheinung der eigenen Art in Zeit zu erhalten.
Hier endlich findet sich den Ursprung der Zerstörungswut
und Mordlust aller Religionsgemeinschaften und Gesellschaftsformen
denen sie zugrunde liegen, die die Liebe der Götter unter
Bedingungen stellen. Die Gründer solcher suchen die Abwesenheit
ihrer eigenen Freiheit durch Unterwerfung unter die Erscheinung
derselben, nämlich der Bedingung an sich, zu plausibilisieren.
So entstand der Gedanke der Ursünde. Er ist aber demnach die
Auslieferung des menschlichen Lebens an die Unfreiheit der
Bedingung, erst die Reinheit des Menschen würde von Gott anerkennend
mit hingebungsvoller und gnadenreicher Liebe gesegnet. Der
Witz dabei ist, dass sie sogar Recht haben, nur in der Umkehrung.
Wer den Mut findet, frei zu lieben, in Tat und Wahrheit, der
liebt. So ist er Werkzeug der Götter, da der freie Wille das
Wort Gottes ist.
Tue was Dein Wille ist, ist alles Gesetz. Willentliche Liebe
ist dies Gesetz. (A. Crowley, von mir überstzt. Der Originalsatz
in Englisch lautet: Do what you willt shall be the whole of
the law. Love under will is the law.)
C
by beat oschwald
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