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Re-Inkarnation?

Sieh wie klar und rein, elegant und leicht es blitzt, dies geistige Licht der Inder, wenn du aus dem Begriff der Reinkarnation einfach das "Re", also die Vorsilbe, entfernst.

Wie ich darauf komme? Nun, eine der entscheidenden Stellen für das Erkennen dessen, was zu erklären diese Schrift geschrieben steht, ist in der Baghavadgita jene, als Arjuna genau in der Mitte zwischen beiden Heeren seinen Streitwagen anhält und weint, angesichts dessen, seine Ahnverwandten töten zu müssen, um selber zu sein. Hier spricht Krsna zu ihm. So, und genau hier ist der Fehler in der Adaption dieses Textes durch das abendländische Denken geschehen. Durch Hinzufügung des faustischen Zeitbegriffes zur indischen Gesamtschau der Wirklichkeit.

Unser Verstehen von Zeit ist grundsätzlich mit Dauer und Richtung verknüpft. Leider werden in diesem Zusammenhang meist die Upanishads des Veda unberücksichtigt gelassen, zumal ihre Erklärungen hier sehr zuträglich und erhellend, jedoch auch nicht letztlich klärend sind. Das liegt einfach daran, dass wir eben implizieren, die Inder vor zweieinhalbtausend Jahren hätten genauso gedacht, wie wir. Das ist der Schlüsselirrtum.

Die ganze Idee der Reinkarnation trat in der abendländischen Geistesgeschichte erst auf, als die ersten Übersetzungen der Vedischen Schriften im kolonialen England und damit in Europa erschienen. Diese Übersetzungen jedoch waren bereits vom Denken dieses Kontinentes geprägt, eben insbesondere hinsichtlich des Begriffes der Zeit als Abfolge von Dauer in einer bestimmten Richtung. Auf dieser Idee beruht unser gesamter Schicksalbegriff, und dieser wurde komplett in das Wort Karma übertragen. Obschon beide nichts, aber auch garnichts miteinander zu tun haben.

Schicksal ist Richtung und Karma ist Zeit. Der Abendländer ist seinem Schicksal unentrinnbar ausgeliefert, ist es doch von Gottes Gnaden, der Inder kann seinem Karma entrinnen, ist es doch weiter nichts als das Wirken der eigenen (Un-) Taten aus der Vergangenheit, genauer: dem Gewesenen. Der Abendländer wird vom Kreuztod Christi a priori von seinen Sünden im Augenblicke seines eigenen Todes erlöst, wenn er auch nur kurz davor Reue zeigt, der Inder ist gehalten zeitlebens sein Karma zu korrigieren. Diese beiden Dinge darf man nicht einfach mischen!

Und genau das ist geschehen, am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. In den aufblühenden Jugendstil und die Romantik hinein wurde dieser scheussliche Gedanke geboren, ein Hybrid aus beidem, die Re-Inkarnation. Seelenwanderung. Von einem Leben in das nächste, seinem unerbittlichen Schicksal ausgeliefert, stets von langen finsteren Schatten aus der Vergangenheit gefesselt und geknechtet, sein daher (sic, endlich ist es greifbar geworden) von Geburt an sündiges Dasein fristend.

Was also blieb als Ausweg? Sich dem Leben zu verweigern. Eben, der (moderne) Buddhismus. Atheistische Reaktion auf unbegreifbar gewordene Religiosität durch Vermischung von Schauungen unterschiedlicher Kulturen mittels ein und derselben Brille gesehen, nämlich jeweils durch die einer der beiden beteiligten solchen.

Was helfen kann? Den so entstandenen Brei, welcher unter dem Siegel "Esoterik" als Marktsegment etabliert ist, auseinanderzudividieren und vielleicht doch noch in ein leichtes, elegantes und schneidiges Schwert des Geistes zu schmieden! Mittels des Begriffes der Synergie in alchymistischer Weise angewandt!

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